Freitag, 2.10. - „So reizvoll erfunden ist alles“

  • Datum: 02.10.2026
  • Uhrzeit: 19:30
  • Ort: Kulturzentrum Saalbau Homburg

Freitag, 2.10. - „So reizvoll erfunden ist alles“

Programm

Moritz Moszkowski (1854-1925)

Suite g-Moll für zwei Violinen und Klavier, op. 71

Gagliano Duo | David Salmon

 

Antonín Dvorák (1841-1904)

Klavierquartett Nr.1 D-Dur op.23

Frank Reinecke | Stefan Fehlandt | Stephan Forck | Manuel Viellard

 

Robert Fuchs (1847-1927)

Klarinettenquintett Es-Dur op.10

Nikolaus Friedrich | Vogler Quartett

Beschreibung

Der Spätromantik lassen sich alle drei zurechnen – doch wie unterschiedlich klingen ihre Personalstile! Den Breslauer Moritz Moszkowski kannte das Publikum der Zeit um 1900 als hervorragenden Pianisten, respektablen Geiger, gefragten Dirigenten und Pädagogen, vor allem aber als Komponisten stimmungsvoller Salonmusik: Seine Spanischen Tänze op. 12 für Klavierduo brachten ihm ein Vermögen ein. Zu seinen anspruchsvolleren Werken zählt eine Suite für zwei Violinen und Klavier, die kurz nach der Jahrhundertwende im Druck erschien.
Eines ihrer auffallendsten Merkmale zeigt sich gleich zu Beginn: Die beiden Geigen haben häufig Doppelgriffe oder Akkorde zu spielen, sodass sie gemeinsam fast die Klangfülle eines Streichquartetts erreichen. Trotz der Gattungsbezeichnung „Suite“, die eine lose Reihung von Tänzen suggeriert, zeigt das Werk auch Züge einer viersätzigen Sonate: So basiert etwa das eröffnende Allegro energico auf zwei kontrastierenden Themen; eine echte Reprise, wie in Kopfsätzen üblich, fehlt allerdings. Das folgende Allegro moderato wäre in einer Sonate das Menuett; sein Trioabschnitt erscheint zweimal und mischt sich auch in die letzte Wiederaufnahme des Hauptteils, sodass eine befriedigende Schlusswirkung entsteht. Der gesangliche langsame Satz, Lento assai, bewegt sich dynamisch durchgehend im Bereich von Piano und Pianissimo. Er endet sogar „morendo“ (ersterbend) in dreifachem Piano; dadurch hebt sich das lebhafte Finale umso wirkungsvoller ab. Es beginnt im Rhythmus einer temperamentvollen Tarantella; ein ruhiges Intermezzo schließt sich an, dann die Wiederaufnahme der Tarantella und schließlich ein effektvoller Staccato-Endspurt des Geigenduos.

Antonín Dvořáks Entwicklung als Komponist vollzog sich gleichsam im Geheimen. Von 1862 bis 1873 spielte er Bratsche im Orchester der tschechischen Oper. Dass er daneben unablässig eigene Werke schrieb, erwähnte er in der Öffentlichkeit mit keinem Wort. Diese Jahre erscheinen wie eine selbstauferlegte Lehrzeit, in der sich Dvořák schrittweise an den aktuellen Stand des Komponierens herantastete – von Mozart über Mendelssohns und Schumann bis zu Liszt und Wagner. Allerdings wurden seine Kompositionen etwa ab 1873 melodisch und harmonisch wieder gemäßigter und formal klarer, Elemente heimischer Folklore gewannen an Bedeutung. 1875 erhielt Dvořák ein österreichisches Staatsstipendium, und Johannes Brahms ebnete ihm durch eine Empfehlung bei seinem Verleger den Weg zur internationalen Karriere. Angespornt durch den plötzlichen Erfolg komponierte Dvořák im Lauf des Jahres 1875 eine große Zahl bedeutender Werke, unter ihnen das Klavierquartett Nr. 1 D-Dur, das innerhalb von nur 18 Tagen entstand. Statt der üblicheren vier Sätze zählt es nur drei: Scherzo und Finale sind zu einem Satz zusammengezogen. Der umfangreichste Satz ist dennoch der erste; zwei Themen, die sich in ihrer pentatonischen Anlage ähneln, werden hier nach allen Regeln der Kunst, aber durchaus eigenwillig verarbeitet: So greift Dvořák im zweiten Thema Motivfragmente auf, die er geschickt vorher ins Spiel gebracht hat (etwa eine Triolenfigur), und in der Coda kombiniert er die beiden Hauptthemen. Fünf Variationen über eine schlichte, klagende Melodie enthält der langsame Mittelsatz. Besonders bemerkenswert ist die vierte, die zwischen den entfernten Tonarten Es-Dur und h-Moll schwankt. Im Finale hat vor allem das eröffnende Walzerthema Scherzo-Charakter, aber auch eine spätere Passage, die an den „Furiant“, einen tschechischen Tanz, denken lässt. Der „Allegro agitato“-Abschnitt im Vierertakt ist das eigentliche Finale.

Als „Serenaden-Fuchs“ war Ende des 19. Jahrhunderts der Wiener Komponist Robert Fuchs bekannt – nach seinen fünf Serenaden für Streichorchester, die ihm den künstlerischen Durchbruch gebracht hatten. Serenadenhaft, gefällig, im besten Sinne unterhaltsam – diese Charakterisierung seiner Tonsprache lässt sich auch aus Urteilen berühmter Zeitgenossen herauslesen. So schrieb zum Beispiel Johannes Brahms: „Fuchs ist ein famoser Musiker. So fein und so gewandt, so reizvoll erfunden ist alles, man hat immer seine Freude daran.“ Allerdings komponierte Fuchs weit mehr und Anspruchsvolleres als nur Serenaden. Und er war ein gesuchter Kompositionslehrer, dem so unterschiedliche Persönlichkeiten wie Gustav Mahler, Jean Sibelius, Hugo Wolf, Alexander Zemlinsky und Franz Schreker ihre fundierte Ausbildung verdankten. Dennoch klingt selbst in einem reifen Werk wie dem 1917 vollendeten Klarinettenquintett op. 102 noch der Ton der früheren Serenaden nach. Nicht zu Unrecht nannte die Wiener „Neue Freie Presse“ die Komposition „eine Vertonung der Düfte und Farben der sanften Frühlingsblüte“. Der erste Satz, im schwingenden Dreiertakt gehalten, beginnt mit einem Dreiklangsthema über rhythmisch akzentuierter Begleitung. Die Klarinette stellt es vor, überlässt ihren Platz aber schon bald der ersten Violine – so wie sie sich auch im weiteren Verlauf mehr als Erste unter Gleichen denn als dominierende Solistin gebärdet. Beständig zwischen Moll und Dur changiert im Hauptteil des folgenden Scherzos die Harmonik, während der Rhythmus einen flotten Marsch anzudeuten scheint. Im verträumten Trio-Mittelabschnitt lassen Orgelpunkte (liegende oder beständig wiederholte Basstöne zu wechselnden Harmonien) an eine Musette denken. Eine leicht ungarische Färbung prägt den wehmütigen langsamen Satz, das Andante sostenuto. Wohl als Hommage an die Klarinettenquintette seiner großen Vorgänger Mozart und Brahms gestaltete Fuchs sein Finale als Variationenfolge. Eine Konzession an den Zeitgeschmack bilden allerdings die chromatischen Wendungen in der zweiten Hälfte des Themas; sie geben in den folgenden Veränderungen Anlass zu mancherlei harmonischen Komplikationen.

Ostmann